Sonntag, 31. März 2013

Gedanken zu Billstedt


Seit rund drei Jahren lebe ich in diesem Stadtteil und habe, bedingt durch meine Tätigkeit als freier Journalist, sehr viele Menschen aus diesem Stadtteil kennenlernen dürfen. Darunter viele Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund, Migranten und Asylsuchende. Fast alle waren höflich und nett. Fast alle. Von Mike Neschki


Seit rund drei Jahren lebe ich in diesem Stadtteil und stelle fest, dass mir Billstedt langsam ans Herz wächst. Ich erkläre mit einem Satz warum. Weil der Stadtteil und die Menschen darin besser sind als ihr Ruf. Fertig. Trotz übermäßig vieler Harz IV-Empfänger! Trotz vermehrter Bettler. Trotz einiger Trinker in den Bahnhofseingängen Trotz oder gerade wegen der vielen Menschen jeglicher Coleur. Aus Afrika, Asien und Südeuropa.

So eine bunte Mischung birgt natürlich Gefahren. Könnte man glauben. Ist aber nicht so, jedenfalls nicht in dem Maße, um es immer wieder kundtun zu müssen, weil es angeblich so ist. Gefährlich sind nur Äußerungen bezüglich der neuen Asylsuchenden und Wohnungslosen, die demnächst in der alten Schule am Öjendorfer Weg unterkommen sollen. So lapidar ausgesprochene Formulierungen, dass diese ja in ihrem Land hätten bleiben können, wenn es ihnen hier zu gefährlich ist, brauchen wir in Billstedt überhaupt nicht.

Gefährlich sind aber auch noch andere Sätze. Zum Beispiel Äußerungen von Billstedter Bürgern, die meinen, dass in diesem Stadtteil zukünftig keine oder nur noch sehr wenige Sozialwohnungen gebaut werden sollen. Um ihn dadurch aufzuwerten!!! Dazu kann ich nur schreiben: Wenn Dummheit eine spezielle Form von Intelligenz wäre, hätte Billstedt einige Intelligente Menschen zuviel.

Jetzt aber zu den Dingen, die mich bei aller Wertschätzung dieses Stadtteils stören, und die ich einmal loswerden möchte. Mich stören in erster Linie Menschen, ob jung oder alt, die in Billstedt oder anderswo, einfach ihren Dreck fallen- oder liegenlassen. Besonders auffällig ist das Phänomen des Abfall verlierens in der Steinbeker Hauptstraße und zwar zu beiden Seiten des Weges und in ihrer Verlängerung, der Billstedter Hauptstraße. Da werfen Idioten, sorry, aber ein anderer Ausdruck für solche Menschen fällt mir gerade nicht ein, unter anderem Plastiksäcke mit Müll auf den Bürgersteig, der sich dann natürlich, weil Ratten diese zerbeißen um darin Nahrung zu suchen, überall verbreitet. Aber nicht nur dort, auch rund um den Billstedter Marktplatz und am Bahnhof liegt Müll. Wohin mein Blick geht fallen mir immer wieder Behältnisse von Fastfoodketten, Papier, Zigarettenkippen und Schachteln etc. auf. Als gäbe es nur hungrige Raucher in Billstedt und nirgends Mülleimer und Kippenbehälter. Ich beobachte es immer wieder. Da fegt zum Beispiel am Bahnhof ein Mann mit einem großen Besen alle Zigarettenkippen, Papierschnippsel und sonstiges zusammen, doch kaum ist alles sauber, lassen Raucher einfach ihre Zigaretten fallen, obwohl zwei Meter weiter Müllbehälter stehen, an denen die Zigaretten sogar ausgedrückt und hineingeworfen werden können. Ich fasse es nicht.

À propos Raucher – an rauchende Männer auf der Straße hat sich mein Auge, ohne dass ich es gutheißen möchte, mittlerweile gewöhnt. Auch an die armen RaucherInnen, die schmauchend und frierend vor irgendwelchen Eingängen stehen, weil sie im Gebäude nicht mehr dampfen dürfen. Aber an qualmende Mütter, die einen Kinderwagen vor sich herschieben, werde ich mich nie gewöhnen. Das muss nicht sein. Das sieht nur peinlich aus. Wahrscheinlich paffen diese Mütter auch noch im Zimmer ihrer Kleinen.

Übrigens Kinderwagen: Wer ein Auto sein eigen nennen darf und dieses ständig gebraucht, sollte sich hin und wieder mal den Spaß gönnen, Bus und/oder Bahn zu benutzen. Nur um zu erkennen, was für ein Luxus es ist, beispielsweise seinen Kinderwagen erst im Parkhaus ausladen zu müssen um dann bequem mit Bambino einzukaufen. Wer dagegen mit seinem Kinderwagen öffentliche Verkehrsmittel benutzen muss, hat die berühmte A-Karte gezogen. Ehrlich. Da versuchen nicht selten gleichzeitig vier Mütter mit entsprechenden Gefährt beispielsweise den Bus zu besteigen, in dem sich schon ältere Damen mit Gehwagen aufhalten und sich vom Busfahrer chauffieren lassen. Kein Problem; Wer einen Gehwagen braucht, soll ihn auch benutzen. Gesehen wurden allerdings auch schon gesunde, jüngere Frauen mit so einem Gefährt, die diesen nur zum Einkaufen gebrauchen. Nicht selten müssen deshalb mindesten zwei arme Mütter – mir ist es allerdings auch schon passiert – auf den nächsten Bus warten, bei dem sich das Procedere dann natürlich auch wiederholen kann.

Besonders spannend ist es auch mit Kinderwagen aus U- oder S-Bahn zu steigen. Man kommt manchmal gar nicht raus oder nur sehr schwer. Ohne Gefährt geht’s ja gerade noch, aber mit? Praktisch unmöglich. Die Leute versperren den Weg, weil sie eigentlich schon einsteigen wollen, während die anderen noch hinaus möchten. Das mag jetzt nicht zwangsläufig Billstedt-Typisch sein, wurde von mir aber auch in Billstedt oder auf dem Weg nach Billstedt erlebt und beobachtet. Reizvoll ist auch der Versuch, am Bahnhof in Billstedt den Fahrstuhl zu benutzen. Natürlich wegen des Kinderwagens. Ich muss wohl nicht groß erzählen, was sich da abspielt. Auch hier sehr oft Menschen, durchaus jüngere, die dieses Gefährt nach oben oder unten ohne Not benutzen. Da lassen diese Leute arme Mütter mit Kinderwagen stehen, nur um selbst bequem mit dem Fahrstuhl zu fahren. Obwohl es auch Rolltreppen gibt. Und die Aufzüge in Billstedt sind sehr langsam. Das heißt, dass jedes Mal sehr viel Zeit eingeplant werden muss. 

Übrigens junge Menschen. Ich meine speziell pubertierende Jungs. Ich hatte es in einem veröffentlichten Zeitungsartikel vor kurzem schon einmal erwähnt. Warum müssen junge Männer eigentlich ständig spucken? Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass meine Freunde und ich zwischen 15 und  25 Jahren unter besonderes großen Speichelfluss litten. Diesen ausgespuckten Rotz trage ich an meinen Schuhsohlen überall mit hin. Im schlimmsten Fall sogar in die eigene Wohnung. Auch das fällt mir besonders in Billstedt auf.

In diesem Zusammenhang fällt mir noch ein, dass ich immer schon mal etwas über die Mode der meist jungen Billstedter schreiben wollte. Klar ist, dass wir damals mit unseren langen Haaren und entsprechenden Klamotten auch nicht unbedingt dem Establishment gefielen. Im Gegensatz zur hiesigen Jugendlichen wollten wir es aber auch gar nicht. Die Nutzer aber, Männlein wie Weiblein, dieser in der Regel grauen Jogginghosen – gesehen wurden sie allerdings auch schon in anderen Farben – mit denen immer noch irgendwelchen Hohlköpfe herumlaufen, haben echt den Schuss nicht gehört. Und diejenigen, die diese Hosen auch noch mit Straßenschuhen tragen, haben nicht nur den Schuss nicht gehört, sondern sind auch noch getroffen worden. Die sehen allesamt dermaßen jämmerlich und billig aus, dass sie ihre Inferiorität nicht mehr leugnen können. Wenn diese Leute durch mein Blickfeld laufen, schmerzen meine Augen. Tut mir leid, aber das musste ich mal loswerden.

So, zum Schluss noch kurz zu den Deutschen mit und ohne Migrationhintergrund, den Asylsuchenden und den Geduldeten. Ob roter-, gelber-, schwarzer- oder weißer Hautfarbe. Mir persönlich ist es völlig egal, aus welchem Land die Menschen kommen, wie sie sich kleiden – ich gebe zu, mit Abstrichen – was sie essen oder auch nicht, welchen Glauben sie haben und welche politische Meinung sie vertreten. Jeder kann diesbezüglich machen, was er will. Mir ist es aber nicht egal, wenn man sich anderen Menschen gegenüber respektlos – dazu gehört unter anderem auch der Müll, der nicht einfach auf die Straße geworfen werden kann – und aus niederen Gründen gewalttätig verhält und diskriminierende Äußerungen, im schlimmsten Fall volksverhetzende Parolen, von sich gibt. Diese Leute haben hier und auf dem Rest der Erde nichts zu suchen. Ist doch wahr. 

Kommentare:

  1. Sehr seltsamer Artikel Herr Neschki, Sie beklagen die Rücksichtslosigkeit und soziale Verwahrlosung im öffentlichen Raum. Meine „Gedanken“ dazu: Nehmen wir z.B. ein Kind es hat Eltern, die hinsichtlich Arbeit, Bildung, Ordnungssinn etc. kein Vorbild sind. Daneben sind die Eltern psychisch etwas labil, vertreten vereinfachte Weltbilder und sind wenig selbstkritisch. Gegenüber einem solchen Kind hat die Gemeinschaft die Pflicht einen Gegenpol zu setzen, die diesem Kind eine reelle Chance geben, diesem Milieu zu entwachsen und andere Einsichten zu entwickeln. Meiner Erfahrung nach gehören dazu nicht ineffektive Sozialprojekte, wo einige ihr Helfersyndrom und ihre vereinfachte linke Weltsicht ausleben. Auch werden ihre Apelle wenig nutzen. Nötig sind für Kinder aus sozial verwahrlosten Verhältnissen andauernde, echte, gegenteilige Erfahrungen! Die kann es nur in einem sozial vermischten Umfeld machen. Auch die Eltern stünden in einem vermischten Umfeld eher unter Druck gewisse Mindeststandards einzuhalten. Massenhafter sozialer Wohnungsbau an einem Ort schafft Anreize für problembelastete Familien (die verfügen nun mal regelmäßig über wenig oder gar kein reguläres Einkommen) sich dort niederzulassen, wo man günstig wohnen kann. Wenn deren Anteil steigt, neigen sozial stabile Familien zum weg ziehen. Die Folgen dieser Segregation können Sie an zig Statistiken ablesen. In Billstedt ist dieser Prozess weit fortgeschritten. Eine neue Asylunterkunft ist auch ein Teil dieses Abwärtstrends. Asyl- und Obdachlosenunterkünfte gehören in gefestigte Umfelder und nur dorthin!!! Mir tut jedes Kind leid, welches von Linksideologen in diese Verhältnisse gebracht wird und dort seiner Chancen beraubt wird. Mein Eindruck ist: statt mal abseits von Ideologien Ursachen und Wirkungen zu analysieren, reicht es hier vielen sich in der Rolle des linken Wohltäters zu gefallen. Dabei ist der Kampf gegen Rechts das Leitmotiv schlechthin. Es ist ja richtig aus der Vergangenheit zu lernen, nur reicht dieser Tunnelblick gegen Rechts nicht, um Billstedt zu einem angenehmeren Wohnumfeld für Leute zu machen, die auf Rücksicht angewiesen sind. Und die geringeren Chancen vieler Kinder behebt man damit auch nicht. Eigentlich mag ich Billstedt ebenfalls, nur glaube ich immer weniger daran, dass er in absehbarer Zeit sein Potential entwickeln kann.

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  2. Herr Neschki, Sie schreiben, dass "Äußerungen von Billstedter Bürgern, die meinen, dass in diesem Stadtteil zukünftig keine oder nur noch sehr wenige Sozialwohnungen gebaut werden sollen", um Billstedt aufzuwerten, gefährlich seien.
    Welche Gefahr bestände denn darin ? Was droht Billstedt denn dann?
    Sozialer Wohnungsbau wurde auch im Dritter Reich unter dem „Reichskommissar für den Sozialen Wohnungsbau” forciert. Also war doch nicht alles unter Hitler schlecht?Und das unterstützen ausgerechnet Sie ?
    Was glauben Sie, sind die Ursachen für die von Ihnen beschriebene Verwahrlosung des öffentlichen Raumes - gerade in Billstedt ? Sind es die Eigenheimbesitzer, die sich so respektlos verhalten ? Und wird sich die Situation verschärfen, wenn weitere Eigenheime ohne sozialen Wohnungsbau in Billstedt entstehen ?
    Auf Ihre Antwort bin ich gespannt. Aber Sie werden wahrschein wieder schweigen...

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  3. Lieber Herr oder Frau Anonym, heute ist der 1. April, deswegen gehe ich davon aus, dass Sie den Kommentar nicht wirklich ernst meinen. Oder wollen Sie mir ernsthaft glaubhaft machen, dass nur „Nichteigenheimbesitzer“ Papier, Zigaretten und etc. auf die Straße fallen lassen und nur die Kinder von „Nichteigenheimbesitzern“ auf die Straße spucken. Und Ihre Frage, ob sich die Situation verschärfen wird, wenn weitere Eigenheime ohne sozialen Wohnungsbau in Billstedt entstehen, muss ich, so glaube ich, wohl nicht beantworten, oder?

    Übrigens: Ich schweige auf Kommentare nicht, weil mir dazu nichts einfällt, sondern weil ich der Meinung bin, dass Kommentare auch unkommentiert stehen bleiben können.

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  4. Sehr geehrter Herr Neschki, natürlich handelt es sich nicht um einen Aprilscherz. Sie haben zwar auf den Kommentar reagiert, aber nicht wirklich geantwortet.
    1.) Ich beziehe mich auf den vierten Absatz Ihres Artikels. Ich vertrete ebenfalls die Meinung, dass Billstedt keine weiteren Sozialwohnungen benötigt. Erklären Sie mir, was daran so gefährlich ist. Können Sie das auch sachlich begründen oder fallen Ihnen dazu nur Beleidigungen ein ? Dulden Sie nur Ihre Meinung und alle anderen sind Dummköpfe?
    2.) Natürlich verhalten sich auch "Eigenheimbesitzer" nicht immer korrekt, was die von Ihnen beschriebene Verwahrlosung des öffentlichen Raumes betrifft. Aber Sie schreiben in Ihrem Artikel: "Auch das fällt mir besonders in Billstedt auf.". Nun meine Frage: Woher kommt es denn Ihrer Meinung nach, dass Ihnen viele dieser Dinge "besonders in Billstedt" auffallen ? Woran liegt es Ihrer Meinung nach ? Haben Sie eine Erklärung ?

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  5. Sehr geehrter Frau oder Herr Anonym, ich versuche Ihnen mit einfachen Worten zu erklären, was ich meine. Allerdings hege ich keine großen Hoffnungen, das es von Erfolg gekrönt sein wird.

    Wer der Meinung ist, dass Billstedt eine bessere Durchmischung von Bewohner durch teuren Wohnraum erfährt, irrt. Das beste Beispiel ist St. Pauli. Dort wurden in den letzten Jahren alte alteingesessene Bewohner durch teuren Wohnraum vertrieben. Nur 1.) ist die Durchmischung dadurch nicht besser geworden, sondern nur anders und 2.) wurden hauptsächlich die alten St. Paulianer ohne Migrationshintergrund vertrieben. Dieser Stadtteil ist, wenn die feierwütigen Nichtst.paulianer wieder in ihren Bezirken verschwunden sind, tot. Außer sie sehen dort nach, wo noch alte St. Paulianer leben.

    Billstedt hat einen fast 50 prozentigen Ausländeranteil oder Menschen mit Migrationshintergrund. Die werden niemals aus Billstedt wegziehen! Billstedt ist nämlich ihre Heimat. Sie sind hier mittlerweile tief verwurzelt. Die leben teilweise mit drei Generationen unter einem Dach. Eine Miete, die sich um zwei- oder dreihundert Euro erhöht, interessiert hier viele überhaupt nicht. Und Nichbillstedter werden niemals nach Billstedt ziehen, nur weil dort teurer Wohnraum angeboten wird. Wer so denkt, hat nicht richtig nachgedacht. Eine bessere Durchmischung von Bewohnern bekommt man u. a. nur durch eine bessere Infrastruktur. Daran muss gearbeitet werden. Wir müssen in Billstedt etwas Besonderes schaffen. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Teure Wohnungen schon, aber damit wird das "Problem" nicht gelöst. Wer jetzt also der Meinung ist und diese laut kundtut, dass Billstedt keine weiteren Sozialwohnungen braucht, obwohl sich die Schere zwischen Armut und Reichtum, oder definieren wir Reichtum besser als besonders guten Mittelstand, immer weiter öffnet, schürt Hoffnungen, die sich nicht erfüllen werden. Und unerfüllte Hoffnungen schüren Neid, Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall Hass auf die, die diese laut ausgesprochen haben. Und diese Situation wird wiederum gern von Leuten ausgenutzt, die glauben, dass ein Deutschland ohne Ausländer besser besser funktionieren würde als mit. Die Indoktrination in Bllstedt trägt schon Früchte. Wer eine andere Meinung vertritt als der Verein mit Billstedter Bürgern wird mit den Wortent: Neschki, Du redest Scheiße... abgewatscht. Muss ich Ihren Punkt 2 jetzt auch noch erklären? Ich hoffe nicht. Mit besten Grüßen, Mike Neschki

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  6. Auf die Thematik Ausländer bin ich nicht eingegangen. Keine Ahnung, warum das den Schwerpunkt ihrer Antwort bildet. Aber egal. Eine bessere Durchmischung erreicht man, indem der Stadtteil für die von einigen verhasste Mittelschichtsfamilie attraktiver wird, ob Ausländer oder nicht. Attraktiver wäre der Stadtteil, wenn insbes. gute Bildungsangebote, gute Einzelhandelsstruktur (nicht nur 1,-€-Läden) und auch ein akzeptierter Ruf vorhanden ist. Der massenhafte soziale Wohnungsbau in Billstedt ist wesentliche Ursache dafür, dass Billstedt all diese Voraussetzungen kaum erfüllt. Es geht darum dies schrittweise zu ändern. Das erste wäre z.B. der Stopp weiteren sozialen Wohnungsbaus in Billstedt. Sozialer Wohnungsbau ist in gefragten Lagen sinnvoll (z.B. St. Pauli), wo Gentrifizierung stattfindet. In Billstedt ist das genaue Gegenteil der Fall. Wir sind nicht gefragt, sondern ein Ort der Segregation mit all den negativen sozialen Folgen. Ich hoffe, dass war jetzt für Sie nicht zu kompliziert. Übrigens, Stadtteile gehören nicht den angestammten Bewohnern. Sie sind dynamisch und das ist auch gut so. Und wer nach Billstedt will, hat genauso ein Recht hier zu leben, wie jeder der hier bereits wohnt, auch wenn dessen Einkommen über dem Billstedter Durchschnitt liegt.

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  7. Ein paar Anmerkungen. 47% der Menschen, die in Hamburg leben, hätten auf Grund ihres Einkommens eigentlich einen Anspruch auf eine Sozialwohung. Der Anteil der Sozialwohnungen hat sich von ehemals über 200 000 auf unter 100 000 verringert. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, weil weitere Wohnungen aus der Mietpreisbindung herausfallen werden. Ca. ein Drittel der Wohnungen in Billstedt sind Sozialwohnungen. Das entspricht im Prinzip den Richtlinien, die momentan bei Neubauprojekten zur Anwendung kommen sollen, wobei das Drittel des sozialen Wohnungsbau auch noch einmal untergliedert wird. (Mietpreisniveau) Von welchen sozialen Folgen wird denn da eigentlich gesprochen und nun kommen sie mir nicht mit Kriminalitätsstatistiken, denn seit ich hier politisch engagiert bin, lagen die Quoten hier immer unter dem Hamburger Durchschnitt. Nun ist auch der so genannte Mittelstand keine homogene soziale Schicht. Leider ist es so, dass man in der heutigen Zeit sehr schnell sozial absteigen kann. Hier gibt es eine Menge an Ursachen. Wenn also heute jemand arbeitslos wird, was ich niemanden und auch ihnen nicht wünsche, dann landet er nach einem Jahr bei Hartz 4. Dann ist er dort angekommen, wo sie die Probleme Billstedts gerne ansiedeln möchten. Sollte ihnen dies also passieren, was ich ihnen nicht wünsche, ziehen sie dann freiwillig hier weg??!!, weil für sie dann nach ihrer Logik hier kein Platz mehr wäre!! Denn dass es nach ihren Ideen zu einer Verdrängung kommen wird, werden sie wohl nicht ernsthaft abstreiten wollen. Eine kleine Zahl, die mit der Aufwertung von Wilhelmsburg zusammenhängt. Bei den Neuvermietungen in Wilhelmsburg hat es mittlerweile Mietsteigerungen von ca. 35% gegeben.
    Nun schreiben sie selber, dass die Grundbedingungen für eine Entwicklung, wie sie sie favorisieren, nicht vorhanden sind. Aber nehmen wir einfach mal an, dass Billstedt für Menschen mit hohem Einkommen attraktiv wäre, dann zieht die Karawane weiter und sie nimmt auf Dauer auch keine Rücksicht auf den Mittelstand, denn dann ist Goldgräberstimmung. Die Gesetze des Marktes werden auch sie nicht verändern. Sie sind brutal und produzieren viele Verlierer.
    In der momentanen Diskussion (auch um 60 Asylbewerber) scheint sich das Bild zu verstetigen, dass der Wert eines Menschen an seiner Geldbörse zu messen ist und dass derjenige, der mehr in der Tasche hat, der bessere Mensch sei. Auf den Rest schaut man abwertend. Der Volksmund formuliert da aber oft anders, denn hier kursiert der Spruch, dass sich hinter den saubersten Fassaden, den ordentlichsten Vorgärten die größten Tragödien und seelischen Abgründe auftuen. Wenn also die Theorie stimmen sollte (was natürlich nicht so ist), dass Menschen mit mehr Geld auch mehr wert sind, dann müssten die Finanzjonleure an den Finanzmärkten Vorbildcharakter haben. Sie schaffen in meinen Augen mit ihren kruden Phantasien ein Klima, das dem Stadtteil nicht gut tut. Verändern wir die sozialen Verhältnisse, dann wird sich viel verändern, aber dann müssten sie sich mit den Reichen und Mächtigen in diesem Land anlegen.

    Liebe Grüße Uwe Böhm

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  8. Herr Böhm,
    alle in Europa beneiden uns. Nur die Linken in Deutschland sind immer noch am Nörgeln. Sehen Sie sich einmal die Arbeitslosenzahlen in Südeuropa an. Die Gesetze des Marktes möchte ich gar nicht verändern, denn sie haben sehr viele Menschen in unser Land zu Wohlstand gebracht. In welchem anderen Land der Welt würden Sie denn lieber leben ? Wo läuft es denn besser ? M.E. gibt es keine bessere Wirtschaftsordnung als unsere soziale Marktwirtschaft!

    Wenn jemand seine Arbeit verliert und keine neue Arbeit findet oder nur eine schlechter bezahlte, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, wo man seine Ausgaben reduzieren kann. Wenn dies durch eine günstigere Wohnung nur erreichen kann, dann sollte man den Umzug ruhig vornehmen. In jeder Veränderung steckt auch eine Chance.
    Es gibt schlimmeres.

    Im übrigen geht es mir vorwiegend um den sozialen Wohnungsbau in den sozial schwachen Stadtteilen. Die Wahrheit ist nämlich folgende. In Winterhude und Eimsbüttel sind die Wohnungen knapp. Was macht die Politik? Sie will mehr sozialen Wohnungsbau, aber nicht in Eimsbüttel oder Nienstedten, sondern in Billstedt, Wilhelmsburg, Jenfeld. Ergebnis wird sein, dass in diesen Stadtteilen, die bereits jetzt laut Sozialmonitoring einen "sehr niedrigen Status" besitzen, weiter sozial schwache Personen ziehen werden. Mit anderen Worten: Die Segregation wird politisch gefördert. Eine Abwärtsspirale entsteht. Die Kaufkraft sinkt. Geschäfte schliessen und stehen leer. Wer es sich leisten kann, wird wegziehen. Ergebnis: Der Stadtteil sinkt noch weiter. Wollen Sie ernsthaft, dass sich alle sozial schwachen hier in Billstedt häuslich niederlassen und die "Reichen" unter sich bleiben ? Ist das Ihr Ziel ?

    Wenn Billstedt für Menschen mit hohem Einkommen attraktiv würde, dann würden sich viele Verhältnisse verbessern. Mehr Kaufkraft, mehr Arbeitsplätze, besseres Angebot - auch kulturell. Was meinen Sie denn mit "die Karawane" zieht weiter? Ich habe noch nicht davon gehört, dass die Reichen Nienstedten oder Eimsbüttel verlassen haben, um den nächsten Stadtteil zu "erobern". Sie haben seltsame Phantasien ! Sie haben offensichtlich Angst vor dem Menschen mit höherem Einkommen. Und Sie sind voller Vorurteile gegenüber diesen Menschen! Die Gesetze des Marktes hinterlassen nur wenige Verlierer. Und dafür gibt es den Sozialstaat, den es in dieser Form in keinem anderen Land auf der Welt gibt.

    Unsere Familie ist vor 5 Jahren nach Billstedt gezogen. Uns wurde zugesichert, dass auf dem Schulgelände EFH und DHH entstehen. Wir haben den Zusagen der Politik vertraut. Ich erwarte, dass nachhaltige Politik in Billstedt betrieben wird. Die Stadt verfügt über 1500 leerstehende Wohnungen (Drucksache 20/5790 des Senats). Aber Sie möchten unbedingt, dass 60 Menschen auf einer Fläche, die seit 2006 für den Wohnungsbau angekündigt ist, in einer Massenunterkunft eingepfercht werden. Auch wenn es sich dabei um Millionäre handeln würde, würde das an der Tatsache nicht ändern. Sie werden es kaum glauben. Aber es gibt auch eine große Nachfrage von Familien, die gern ein kleines Häuschen für sich und Ihre Kinder haben wollen. Diese Familien ziehen momentan alle in Baugebieten in den sog. Speckgürtel und zahlen dann ihre Steuern in Schleswig-Holstein und nicht in Hamburg. Diese Mittelschicht geht Hamburg verloren.
    Die sozialen Verhältnisse in Billsetdt werden positiv dadurch verändert, dass man dafür sorgt, dass eine bessere soziale Durchmischung in Billstedt erfolgt. Wenn sozialer Wohnungsbau, dann in Eimsbüttel und nicht in Billstedt!!

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  9. Sehr geehrte Frau oder sehr geehrter Herr Anonym.

    Nun will ich die Diskussion nicht ausufern lassen, denn es wird sie sicherlich nicht wundern, dass ich unser Gesellschaftssystem anders sehe.
    Selbst in konservativen Kreisen wird mittlerweile darüber diskutiert, wie man zu einer Belebung Richtung sozialer Marktwirtschaft wieder kommen könnte, denn die gibt es in ihren Augen nicht mehr.
    Dass die Arbeitslosenstatistik geschönt ist, müsste ich erwähnen. Dass mittlerweile 42% der Beschäftigten in unserer schönen Stadt Hamburg im prekären Beschäftigungssegment arbeiten. Dass wir die Nutznießer der gegenwärtigen Krise sind und dass diese Krise irgendwann massiv bei uns ankommen wird, weil wir als Exportnation unsere Waren nicht mehr so gut verkaufen werden. Dass unser Deutschland erpresserisch von anderen Ländern Maßnahmen erwartet, die wir hier niemals in vergleichbarer Situation umgesetzt haben. (Verletzung der Maastrichkriterien durch unser Land und Auflegung des größten Konjungturprogramms in der Finanzkrise)
    Dass von den 188 Milliarden € die angeblich an Griechenland geflossen sind 183 Milliarden an die Banken und Hedgefonds sowie diverse Gläubiger gegangen sind usw.usf. Diese Diskussion will ich nicht ausufern lassen, denn dann müsste ich auch noch auf die ungleiche Verteilung des Reichtums eingehen. Diese Zeit habe ich aber leider momentan nicht, weil ich durch meine Arbeit viel Verantwortung trage.
    Ich möchte einen konstruktiven Vorschlag machen, den ich mit Herrn Neschki abgesprochen habe.
    Zur Unterbringung der Flüchtlinge auf dem Schulgelände habe ich einen Antrag in den letzten Regionalausschuss eingebracht, den ich wirklich für gut halte. Dieser Antrag ist fast kommentarlos von SPD, CDU und FDP abgelehnt worden. Die Grünen haben sich enthalten und die Piraten und unsere Fraktion haben dafür gestimmt. Herr Neschki wird den Antrag auf seine Seite stellen und dann bin ich auf ihre Reaktion gespannt!!

    Liebe Grüße Uwe Böhm

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  10. Sehr geehrter Herr Böhm,

    Sie haben zwar viel geschrieben, aber leider nicht zu meinen Argumenten gegen den sozialen Wohnungsbau - vor allem in Billstedt. Sie weichen statt dessen aus und beginnen ein neues Thema. Sie Schreiben, dass Sie die "Diskussion nicht ausufern lassen" wollen, aber tun es dann doch mit einem ganz anderen Schwerpunkt. Also scheinen Ihnen die Argumente auszugehen oder ich habe Sie überzeugt.

    Die Arbeitslosenstatistik ist transparent und europäisch angeglichen. Die Zahl der Menschen die in Weiterbildung etc. sich befinden sind dort ersichtlich. Auch wenn es Ihnen nicht passt, die Zahlen waren seit der Wiedervereinigung nicht mehr so gut. Wie Sie Ihre 42 % im "prekären Beschäftigungssegment" gewürfelt haben, bleibt ein Rätsel.

    Die Maßnahmen, die (nicht nur von Deutschland) in Südeuropa gefordert werden, haben wir mit der Agenda 2010 teilweise schon hinter uns. Bzgl. der Hilfszahlungen an Griechenland sei gesagt, dass es sich um ein Land mit der wirtschaftlichen Größe in etwa von Hessen handelt, das lange Jahre trotz günstiger Zinsen ständig am Kapitalmarkt immer mehr Schulden aufgenommen hat (Staatsanleihen), als vertretbar war. Die Staatsanleihen wurden von der EZB genauso wie deutsche Staatsanleihen behandelt und als Sicherheit für Banken akzeptiert. Die griechischen Staatsanleihen wurden u.a. von Banken, aber auch von Versicherungen erworben, weil diese Ihre Lebensversicherungsbeiträge mündelsicher anlegen mussten. Spekulation fand nur in geringem Umfang und erst sehr spät statt, als die Politik das Problem verschleppte. Aber das geht vermutlich weit über Ihren volkswirtschaftlichen Sachverstand hinaus.

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  11. Das mit dem volkswirtschaftlichem Sachverstand sollten Sie lassen, denn mir macht die Diskussion trotz Zeitmangel auch Spaß, weil ich dabei auch immer wieder meine Argumente überprüfen kann. Aber aus der Anonmytät heraus kann man sich halt mehr herausnehmen.
    Zu Griechenland bekommen Sie von mir auch noch eine Antwort, aber jetzt will ich mich erst einmal auf die morgige Veranstaltung vorbereiten.
    Kurze Antwort auf die 42% prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Also Würfel besitze ich nicht, denn da ich mich nicht in der Mittelschicht verorte, kann ich mir diese nicht leisten. Nein Scherz beseite. Die Zahlen hat vor einiger Zeit sogar die Morgenpost veröffentlicht. Ich habe zurzeit die Zahlen von 2011 (Böcklerstiftung für Hamburg). Hier sind es noch ca. 33% der Beschäftigten. Das hat sich mittlerweile gesteigert.

    Prekäre Beschäftigung gesamt (Hamburg)
    316.935

    Anteil
    33,13%

    davon


    SV-Beschäftigte Vollzeit - Niedriglohn
    132.991

    SV-Beschäftigte Teilzeit - Niedriglohn
    30.874

    Kurzarbeiter
    3.643

    Geringfügig Beschäftigte (ausschließlich)
    101.791

    davon


    Leiharbeiter
    3.378

    Aufstocker
    16.000

    Kurzfristig Beschäftigte
    3.874

    Unterschäftigte (ohne Arbeitslose)
    28.762

    Leiharbeiter regulär beschäftigt
    15.000

    Liebe Grüße Uwe Böhm

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  12. Hallo Herr Böhm,
    1.) Sie geben also zu, dass Sie "nur" 33% in einer Statistik vorliegen haben und nicht 42 %
    2.) Die Hans-Böckler-Stiftung ist eine Stiftung des DGB. Der muss ständig ANgst verbreiten, damit ihm die Mitglieder nicht noch mehr weglaufen als ohnehin.
    3.) Von 854.629 in HH haben 102.575 eine ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigung. Das sind 12 % (Arbeitsagentur, Stand 2012). Die Ursache ist nicht so eindeutig indiziert, wie von Ihnen suggeriert wird.

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