Donnerstag, 15. November 2012

KOSTNIX – da geb' ich was hin ...


Die Idee für den alternativen Waren­verkehr “KOSTNIX“ hatten vor exakt elf Jahren Studenten der Evange­li­schen Fachhochschule für Sozialpä­dagogik des Rauhen Hauses. Sie wol­lten damit dem allgemeinen Trend zur Wegwerfgesellschaft entgegentre­ten. Das ist ihnen ganz gut gelungen, nur mit kostnix, also kostet nichts, ist es “fast“ vorbei. Nur noch eine kleine Ecke im neuen Eingangsbereich ist für die Sachen vorgesehen, die tatsächlich nichts mehr kosten. „Das sind Sachen, die sich in den letzten Wochen nicht verkauft haben,“ so  Anke Spitzer (69), seit zweieinhalb Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin. „Die geben wir dann auch schon mal so weg.“

Am 20. Dezember 2001 öffnete “KOSTNIX“ im Kulturpalast Hamburg das erste Mal seine Türen. Das ist exakt elf Jahre her.  „Im Mai letzten Jahres sind wir mit Sack und Pack umgezogen,“ so Anke Spitzer weiter. „Obwohl wir es allen mitgeteilt hatten, dass wir neue Räum­lichkeiten in der Billstedter Haupt­stra­ße 90, direkt in der Kreuzkirche be­ziehen, lief hier am Anfang gar nichts. Jetzt aber hat es sich herumgesprochen. Die Geschäfte laufen wieder.“ 

“KOSTNIX“ will mehr sein als nur ein Laden. Er soll auch ein Treffpunkt für Billstedter sein. Im Kulturpalast war es wohl auch mal so, aber in den neuen, fast doppelt so großen Räum­lichkeiten gestaltete es sich anfänglich noch ein bisschen schwer. Dass es wie­der so wird, dafür sorgt eine ge­müt­liche Ecke mit Kaffee, Tee und Kek­sen, um zu Verweilen, um Infor­mati­o­nen über den bunten Stadt­teil und seine sozialen Ein­richtungen auszutau­schen. Das ist wichtig! Interesse zu zei­gen, mit den Nachbarn zu kommu­nizieren, auch wenn diese vier Straßen weiter woh­nen. Schließ­lich sind wir alle Nach­barn. So, wie es auch Ingrid Frank ist, die seit knapp zwei Jahren hier “ein­kauft“, um ihre Wohnung zu verschö­nern. Sich zwischendurch an den Tisch setzt und hofft, dass sich jemand dazu­gesellt. Sie wohnte früher in Altona, „aber hier in Billstedt ist es schöner, ruhiger,“ ver­sichert sie uns. Die Men­schen sind ge­lassener.

Viele Migranten kaufen hier ein aber auch genau so viele Menschen ohne den so vielgenannten Migrationshinter­grund. Ein reges Trei­ben und Feilschen kann man beobach­ten. Von jung und alt, groß und klein. Für die ist übrigens auch gesorgt, mit einem extra Raum, in dem sich die “Lüdden“ aufhalten können, bis Mama wiederkommt, die vielleicht in der Zwischenzeit einen Fern­seher für acht Euro erworben hat oder einen Trinkbecher für 50 Cent. Vom Federball­schläger bis zur Decken­leuch­te, alles ist hier für Kleingeld käuflich zu erwerben. „Aber nicht so viel man will,“ erklärt uns Frau Spitzer. „Ent­weder drei kleine Dinge oder ein gro­ßes, wie beispielsweise den Fernseher. Fünf Bücher gibt’s dann noch dazu.“

Aber “KOSTNIX“ benötigt auch Hilfe. Denn nix macht sich von allein. Auch nicht der Kaffee oder der Tee, der übri­gens auch nix kostet. Aber ein schwarzes Schwein auf dem Tisch freut sich über jeden Cent, der durch einen kleinen Schlitz im Rücken in seinem Bauch verschwindet. Damit man auch weiterhin sagen kann: “KOSTNIX“, da geh’ ich wieder hin.

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